Kommentar zu „Der Skandal am Flügelhügel“

14 Okt 2016

Im Juni 2016 veröffentlichte das gemeinnützige Recherchebüro „correctiv.org“ einen Artikel mit der Überschrift „Der Skandal am Flügelhügel“, welchen der BVKW im News-Bereich der BVKW-Webseite verlinkt hat.

Da der BVKW als Fachverband die Kleinwindbranche von einem neutralen Standpunkt vertritt, halten wir es für angebracht, einen Kommentar zu diesem Artikel zu verfassen, welcher nun  hier nachzulesen ist:

Problemfall Prestigeprojekte

Kommentar zu  „Der Skandal am Flügelhügel“

von Steffen Eyhorn

Der Artikel beschreibt ein Projekt, bei dem durch Einsatz von unausgereifter und ungetesteter Technik eine große Fehlinvestition begangen wurde – 180.000€ sollen verloren gegangen sein.

Leider ist dieses gescheiterte Projekt kein Einzelfall in der Kleinwindbranche. Immer wieder kommt es zu Problemen bei solchen  „Prestigeprojekten“, von denen man sich große Öffentlichkeitswirksamkeit und ein gutes Image verspricht. Um diesem Image zu entsprechen, wird dann gerne auf „innovative“ und neue Technikkonzepte zurückgegriffen – verständlich, denn zum erhofften Image passen vermeintlich moderne und außergewöhnliche Technikkonzepte besser als die allseits bekannten und etablierten Bauformen kleiner und großer Windanlagen. So haben es Hersteller, die den Schwerpunkt auf Marketing anstatt auf solide Technik legen, oft leicht, Projektierern ihre Anlagen zu verkaufen. Wenn ein solches Projekt dann schiefgeht, leidet durch die große Öffentlichkeitswirksamkeit die gesamte Kleinwindbranche darunter.

Doch es ginge auch anders: es gibt im Kleinwindbereich natürlich bewährte Technik, Hersteller hochwertiger Anlagen und erfolgreiche Projekte. Der BVKW empfiehlt, um sich ein eigenes Bild zu machen, Hersteller immer nach den folgenden Kriterien zu beurteilen:

  • Der Hersteller sollte eine nennenswerte Zahl von Referenzinstallationen nennen können, die alle bereits mehrere Jahre im Betrieb sind. Außerdem sollte es möglich sein, mehr als nur eine dieser Anlage für eine Besichtigung zu benennen. Vor Ort kann dann ein Gespräch mit dem Käufer der Anlage sehr aufschlussreich sein.

  • Eine tatsächlich gemessene Leistungskennlinie erlaubt eine ernstzunehmende Planung des Stromertrags. Pauschalaussagen von Herstellern wie „mindestens 10000kWh an Ihrem Standort“ sollten mit Vorsicht genossen werden, oft sind solche Angaben nicht belastbar.

  • Ein Schallgutachten gibt Aufschluss über zu erwartende Lärmemissionen der Anlagen. Hersteller, die behaupten, Ihre Anlagen verursachten keinen Schall, sind kritisch zu betrachten.

  • Bei Anlagen, die schon seit einigen Jahren auf dem Markt sind, sind häufig „Kinderkrankheiten“ bereits beseitigt.

  • Zertifizierte Anlagen sind im Normalfall gute Anlagen. Die teuren Zertifizierungen sind jedoch nicht für alle Hersteller finanzierbar, und es gibt durchaus nicht-zertifizierte hochwertige Anlagen.

  • Auf Portalen wir www.kleinwindanlagen.de (Forum) und www.klein-windkraftanlagen.com (Marktreport) findet man zu den meisten Anlagen gute Betrachtungen und Bewertungen. Das eigene Projekt in einem Forum vorzustellen ist häufig sinnvoll.

Abgesehen von den genannten Empfehlungen laden wir alle, die vorhaben, eine Kleinwindanlage zu bauen, immer ein, sich beim BVKW vor größeren Investitionen eine kostenlose „Zweitmeinung“ einzuholen. Der BVKW ist in diesem Falle genau wie die Käufer von Kleinwindanlagen daran interessiert, dass Kleinwindprojekte mit guten Ergebnissen abgeschlossen werden – denn nur erfolgreiche Projekte verbessern den Ruf von kleinen Windrädern.

Den Originalartikel können Sie nachlesen unter: https://correctiv.org/recherchen/stories/2016/06/01/skandal-am-fluegelhuegel-wuppertal/

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